Stephanie Strauven - Teil 1

Stephanie Strauven war in der Zeit von 2011 bis 2017 Studierende der Humanmedizin an der Riga Stradins University in Lettland. Im ersten Teil ihres Erfahrungsberichtes erzählt sie uns über die Unterkunftsmöglichkeiten, den Kosten des Alltags (Miete, Lebensmittel, Feiern gehen) und den Freizeitmöglichkeiten in Riga, Lettland und darüber hinaus.

 

Warum haben Sie sich damals für die Riga Stradins University entschieden?

Bei mir war es damals so, dass es in Deutschland leider nicht mit einem Studienplatz im Bereich Medizin geklappt hat und ich mich dann über meine Optionen im Ausland informiert hatte. Für mich war das internationale Umfeld sehr reizvoll und die Tatsache, dass man durchgehend auf Englisch studieren konnte. Darüber hinaus waren die Studiengebühren der Riga Stradins University für mich im Rahmen.

 

Wie haben Sie damals die Wohnung bzw. Ihre erste Unterkunft gefunden?

Ich weiß ehrlich gesagt nicht mehr, wie es genau bei mir war, aber ich kann verraten, wie es heutzutage ist: Es gibt bei Facebook verschiedene Gruppen, zum Beispiel „Riga Students Market“, „Riga Rental Market“, „Riga Appartement Market“. Dort suchen Studierende nach Mitbewohnern oder Nachmietern. Aber auch professionelle Maklerbüros stellen Angebote online, sodass man für gewöhnlich eine gute Auswahl hat. Man kann natürlich auch auf anderen Seiten online schauen, welche Angebote es gibt. Wichtig ist nur, dass man im Hinterkopf behält, dass Vermittlungsgebühren anfallen, die nicht unerheblich sein können, sobald ein Makler involviert ist.

 

Was können Sie zu den Mietkosten in Riga sagen?

Die Miete für eine normale Wohnung kann zwischen 300 Euro und 700 Euro kosten. Die Frage, die man sich stellen soll, ist natürlich, ob man in einer Wohngemeinschaft leben oder alleine leben möchte. Letzteres ist natürlich teurer.

WG‘s gibt es schon ab circa 250 Euro; das wäre aber dann schon in Richtung Bruchbude – ausgenommen Wohnungen mit alten Mietverträgen, da kann man schon mal Glück haben. Ich denke, dass Angebote zwischen 300 Euro und 400 Euro die richtige Balance bieten. Klar, wenn man in eine WG zieht, wo sechs Leute wohnen, kann man natürlich mit weniger auskommen. Und es kommt auf die Lage an: wenn man in der Altstadt, in der Nähe der Pubs, wohnen möchte, ist es bereits sehr teuer geworden. 400 Euro, wenn man sich die Wohnung teilen möchte, sind hier eigentlich nichts seltenes. 20-25 Gehminuten aus der Altstadt raus, gestaltet sich das ganze bereits ein wenig günstiger, so dass man bei 300 Euro landen kann.

 

Wie kommt man in Riga als Studierender am besten von A nach B?

Den Großteil macht man mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. In der Einführungswoche gibt es eine schöne Präsentation, die einem die unterschiedlichen Transportmittel vorstellen: Bus, Trolleybus, Tram…Klingt lustig, aber es gab in der Vergangenheit mehrfach Probleme, dass neue Studierende auf der falschen Route waren, weil sie den Unterschied zwischen Bus und Trolleybus (der mit den „Fühlern“ oben drauf) nicht kannten.

Aber das ÖPNV-Netz ist wirklich super – man kann damit bequem alles erreichen. Zu Beginn des Semesters bekommt man eine blaue Karte, die man für 15 Euro monatlich aufladen kann, um für einen ganzen Monat alle öffentlichen Verkehrsmittel in Riga zu nutzen.

Ansonsten ist das Taxi eine sehr sehr günstig Möglichkeit herumzukommen. Hier empfehle ich das „Panda Taxi“. Ansonsten gibt es noch „Baltic Taxi“ oder „Red Cab“, die ebenfalls günstig sind. Insbesondere für die Fahrten von und zum Flughafen empfiehlt sich das „Panda Taxi“, was aus der Rigaer Innenstadt lediglich sechs Euro kostet.

 

Wo haben Sie die Artikel des täglichen Lebens eingekauft?

Es gibt mehrere Supermarktketten, die zu empfehlen sind. Das, was bei uns REWE ist, ist dort wohl vergleichbar mit „RIMI“; das lettische Aldi wäre wohl „Maxima“, was ein wenig günstiger ist. Ein weiterer Anbietet ist „Mego“, so dass diese drei Anbieter als die größten bezeichnet werden können.

Wer Delikatessen bevorzugt, kann zu „Stockmann“ gehen, die direkt am Hauptbahnhof eine Filiale haben. Dort erhält man auch deutsche Produkte, die aber dann ein wenig teurer sind. Für die frischen, lokalen Produkte empfiehlt sich der Zentralmarkt, der sich direkt hinter dem Hauptbahnhof befindet und deutlich günstiger ist. Es gibt natürlich weitere Nachbarschaftsmärkte über die ganze Stadt verteilt. Die meisten sind Samstags, so dass man diese ohne Probleme besuchen kann.

Darüber hinaus gibt es noch eine Drogeriemarktkette namens „Drogas“, vergleichbar mit DM, die auch viele deutsche Produkte führt. Aus irgendeinem Grund sind Drogerie- und Hygieneartikel – so finde ich – in Lettland ein wenig teurer als in Deutschland.

Darüber hinaus gibt es die großen Einkaufszentren (Malls), die sich hier in Riga als Einkaufsmöglichkeiten etabliert haben. Zum einen gibt es „Spice“ Richtung Flughafen und zum anderen „Alfa“, welches sich genau auf der anderen Seite der Stadt befindet. Beide Einkaufszentren sind ohne Probleme mit dem Bus zu erreichen (rund 20 Minuten). Die Fahrt lohnt sich, da man dort wirklich alles bekommt, was man braucht und vor allem auch sehr günstig.

 

Und wenn man abends ausgehen möchte: Was muss man dafür einkalkulieren?

In der Altstadt muss man die richtigen Bars kennen. Es gibt dort zum Beispiel die „Ala Pagrabs“; eine typische Bierbar, mit sehr leckerem Essen und günstigen Bier (großes Bier für drei Euro). Dann gibt es natürlich auch noch Cocktail-Bars, die Happy Hours haben und die Cocktails und Longdrinks günstig anbieten.

 

Welche weiteren Freizeitangebote gibt es an der Riga Stradins University, Riga und in Lettland?

Die Uni bietet eine Menge Sport: ein Fitnessstudio, eine Halle in der man Volleyball spielen oder Yoga-Kurse belegen kann. Eine weitere tolle Sache ist Windsurfing, das man am Strand von Riga machen kann, der lediglich eine halbe Stunde mit dem Bus entfernt ist und mit dem Monatsticket ohne zusätzliche Kosten erreichbar ist. Eine weitere Alternative ist Wakeboarding, was man sogar auf Rigas Fluss, der Daugava (Deutsch: Düna), machen kann.

Eine große Rolle spielt das Musikmachen. Hier gibt es die unterschiedlichsten Orchester, denen man beitreten kann. Darüber hinaus sind die Letten eine Nation, die viel singt, so dass man in zahlreichen Chören Mitglied werden kann. Das geht natürlich auch zu Beginn des Studiums, wenn das Lettisch noch nicht so ausgeprägt ist.

Ich persönlich war in einem Fitnessstudio angemeldet, was preislich wirklich in Ordnung war. Zudem ist vieles sehr gut auch fußläufig erreichbar, so dass man uneingeschränkte Möglichkeiten hat.

 

Wie haben Sie Kontakt mit den Letten gehabt?

Zu Beginn des Studiums war dies nicht unbedingt der Fall. Ich hatte aber einen „Buddy“, also einen Studierenden aus dem höheren Semester, der mich betreut und unterstützt hat. Mich hat damals eine lettische Studentin begleitet. Das Verhältnis war aber eher oberflächlich. Sie hat mir ein paar Infos zur Orientierung gegeben, aber darüber hinaus haben wir danach auch nicht mehr viel Kontakt gehabt.

Bei mir ging es im Rahmen der klinischen Phase damit los, dass wir viel Kontakt mit den lettischen Kommilitonen hatten. Heute ist meine beste Freundin aus der Studienzeit an der Riga Stradins University eine lettische Freundin, die ich damals in der Klinik kennengelernt habe. Das hat sich wirklich toll entwickelt!

Ansonsten bietet das Orchester oder die „International Student Association“ eine tolle Möglichkeit sich einzubringen. Dort lernt man – mit dem entsprechenden persönlichen Engagement – auch die Letten besser kennen. Letten sind, so meine kulturelle Beobachtung, grundsätzlich ein wenig zurückhaltender. Wenn man aber den ersten Schritt macht und sie ein wenig besser kennenlernt, hat man sehr schnell viele neue, beste Freunde. Das kann ich wirklich von Herzen sagen!

 

Mehr Infos im zweiten Teil

Im zweiten Teil des Erfahrungsberichts von Frau Strauven erfahren Sie mehr über die Lehrveranstaltungen an der Riga Stradins University, erhalten Sie Infos zu der Ausstattung der Seminarräume und zu dem, was man in Lettland am meisten vermisst.