Erfahrungsbericht RSU: Charlotte Probst aus Lübeck


Mein Name ist Charlotte, ich bin 20 Jahre alt, komme aus Lübeck und zur Zeit studiere ich an der Riga Stradins University Humanmedizin im 4. Semester!

Bewerbung an der Riga Stradins University

Vor circa eineinhalb Jahren habe ich mich bei Academic Embassy beworben und glücklicherweise Erfolg gehabt! Ich habe immer sehr sicher mit einem Studienplatz in Deutschland gerechnet, das hat aus vielen Gründen leider doch nicht geklappt, weshalb ich mich dann nach Alternativen umgesehen habe. Bei meiner Internetrecherche bin ich dann schnell auf Academic Embassy gestoßen, und habe einen kostenlosen Termin ausgemacht zur generellen Information. Bei dem Telefonat konnte ich generelle Fragen klären, wie z.B. was ich für eine Bewerbung brauche, wie meine Chancen stehen einen Platz zu bekommen, und wie es nach dem Physikum mit einem möglichen Wechsel nach Deutschland aussehen würde. Das erste was ich sehr beruhigend fand ist, dass mir Herr Zimmermann mit Ehrlichkeit und realistischem Optimismus begegnet ist. Ich war zunächst etwas beruhigter, dass ich mir diesen Traum noch erfüllen kann, und wusste, dass eine kompetente Person, die das Auswahlverfahren kennt und weiß worauf die Universität achtet, mir zu Seite steht. Die weitere Zusammenarbeit war dann, gemeinsam alle Dokumente zusammenzusuchen, beglaubigen und übersetzen zu lassen, und mein Motivationsschreiben sowie die beiden Empfehlungsschreiben zu verfassen bzw. im Fall der Empfehlungsschreiben natürlich schreiben zu lassen. Zusammengefasst, fand ich Academic Embassy und damit Herr Zimmermann, die beste Entscheidung für die Bewerbung, da alles auf einem sehr persönlichen Level war, ich mich unterstützt gefühlt habe (auch wenn ich Herrn Zimmermann teils bestimmt einige Nerven gekostet habe) und natürlich weil wir am Ende auch Erfolg hatten! Dazu kommt auch, dass die Unterstützung mich nichts gekostet hat.

 

Orientierungswoche

Weiter ging es mit meinem Studienbeginn in Riga. Ich habe zum Sommersemester angefangen, bin also im Januar 2022 hier angereist. Vorab hatte ich nie irgendeine Verbindung zu Riga oder Lettland, kannte aber 2-3 Leute aus meinem Umfeld die hier auch studieren. Ich konnte dadurch im Vorhinein Infos ergattern über die besten Wohnorte, Anreise und Must-haves für den Studienbeginn. Ich habe über ein paar Facebook Gruppen WG-Anzeigen gesehen und mich beworben, wobei es schließlich bei einer geklappt hat. Meine Ankunft war erst mal überwältigend, da ich erst 18 war und in ein fremdes Land mit fremden Leuten und einer fremden Sprache gezogen bin. Das war aber ein schönes Gefühl, weil ich mich auf diesen neuen Lebensabschnitt und die neuen Leute, die ich kennenlernen würde, gefreut habe! Es gab bereits eine WhatsApp-Gruppe von dem Semester, sodass in den ersten Tagen vor Studienbeginn diverse Treffen mit Kommilitonen stattgefunden haben: in Bars, Restaurants, Cafés …. Da es damals die Hochphase von Corona war, war die Orientierungswoche online. Leider konnte ich dadurch nicht die Uni sehen oder Menschen kennenlernen. Wir hatten in dieser Woche eine Rede vom Dekan der Universität, ein Vortrag über Einbürgerung, ein Vortrag über Lettland und die Kultur, ein Vortrag von einem Studenten der und Tipps und Tricks geteilt hat, und ein Vortrag über Verhalten und Regelungen in Lettland (z.B. kein Alkohol auf der Straße). Das war sehr interessant und informativ.

 

Studienbeginn an der Riga Stradins University

Dann Begann auch schon das Studium in Riga. Ich beschreibe einfach mal eine Tag in meinem Leben! Je nach Semester hat man unterschiedlich viele Kurse, zur Zeit habe ich circa viermal die Woche Uni, was relativ überschaubar ist. Ich fahre also mit dem Bus oder der Bahn zur Uni, was ca. 25-30 Minuten dauert, da die Universität nicht im Zentrum liegt. Die Anbindungen sind aber super und alle paar Minuten kommt ein anderer Bus. Die Universität hat viele Gebäude. Einmal den Hauptcampus, dann das Anatomikum im Zentrum, wo man Anatomie, Histologie und Embryologie hat, und das Physik Gebäude, welches auch außerhalb liegt. Je nachdem was für einen Kurs ich habe, muss ich einen „Labcoat“ mitbringen oder nicht. Unterricht haben wir in Klassenverbänden von 12 Leuten. Das ist super angenehm und macht die Beziehung zu den Professoren persönlicher. Manche Kurse hat man mit einer anderen Klasse zusammen und manche alleine, je nachdem wie intensiv der Unterricht sein muss. Meistens müssen wir vor dem Unterricht eine Vorlesung online anschauen, die wir in unserem Uni-Portal finden. Das Praktische daran ist, dass man den Stoff in seinem eigenen Tempo durchgehen und dann in der Stunde Fragen klären kann. In Biochemie und Physiologie sowie in Physik, hat man dann im Unterricht Experimente gemacht zu dem Thema. Das hat meiner Meinung nach immer etwas Praxis in die Theorie gebracht. In manchen Kursen hat man dann ein Protokoll, welches man innerhalb der nächsten paar Tage ausfüllen muss. Im Unterricht selber ist mit 90% der Professoren eine gute Kommunikation auf Englisch möglich, leider haben ein paar jedoch Defizite. Nach der Stunde gehe ich dann mit meinen Freunden in die Cafeteria, wo man sich für 3-5 Euro ein Mittagessen oder auch Frühstück holen kann. Ich mag am meisten die Zeit, die man zusammen an Tisch verbringt. Das Essen generell, ist so wie man sich es in einer Kantine vorstellt. Es könnte besser sein, aber auch schlechter. Außerdem liebe ich die Wasserständer, die überall in der Uni zu finden sind, wo man sogar Sprudelwasser holen kann! Zwischen den Stunden gehen wir oft in eine der Lernbereiche auf dem Campus der RSU. Dann erledigt man Protokolle oder bereitet kommende Vorlesungen vor. Dann gehe ich zu dem nächsten Unterricht oder lerne bis der Tag zu ende ist (je nach Klausurenphase oder nicht). Die Professoren sind zwischen 25 und 75 Jahre alt, was ich sehr abwechslungsreich finde. Ich erinnere mich an eine total sympathische Biochemie Professorin, die ca. 25 war und überdurchschnittlich kompetent und witzig! Dann fahre ich nach Hause und koche mit Freunden, gucke einen Film mit meinen Mitbewohnern oder unternehme noch etwas. Bevor ich über das Leben in Riga rede noch einiges über das Studium: wie schon gesagt, die Vorlesungen sind online und die Seminare in Präsenz. In manchen Kursen hat man wöchentliche Tests die zu der Gesamtnote beitragen, die sind aber immer sehr entspannt. Dann haben wir ca. alle 7 Wochen Klausurenphase mit „Kolloquien“. Da wird dann immer der Stoff der letzten 7 Wochen abgefragt. Das hat den Vorteil, dass die Klausuren nicht zu viel Stoff haben und mit 2 Klausurenphasen pro Semester alles ganz gut aufgeteilt ist. Manchmal muss man Präsentationen halten und in einigen Kursen gibt es Examen, z.B. in Biochemie, wo dann alles abgefragt wird. Das ist dann etwas anspruchsvoller. Manche Kurse, wie z.B. Biochemie und Physiologie, werden sehr intensiv behandelt. Da muss viel Zeit reingesteckt werden. Andere Kurse, wie Psychologie, Soziologie oder Physik, werden eher oberflächlich behandelt und erfordern nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit. Meiner Meinung nach ist das Wissen, was in den wesentlichen Kursen wie Biochemie, Molekularbiologie und Physiologie und beigebracht wird, sehr interessant und wichtig. Da hab ich immer gute Erfahrungen mit Professoren und dem Stoff gemacht, auch wenn es eine Herausforderung war. Anatomie und Histologie, sowie Embryologie wird meiner Meinung nach nicht so gut beigebracht, weshalb ich einen Anatomie Atlas empfehlen kann und Bücher in den anderen Kursen. Generell bin ich nur mit einem iPad, Laptop und Karteikarten ausgestattet, was völlig ausreicht. Dazu braucht man einen Labcoat und Buntstifte!

 

Das Leben in der lettischen Hauptstadt Riga

Das Leben in Riga ist wie in einer typischen Studentenstadt. Meine Freunde und ich machen gerne Bar Tours, Karaoke, gehen an den Strand, kochen oder gehen ins Kino. Im Kino gibt es beispielsweise Studentenrabatte und der Strand ist in 25 Minuten mit der Bahn erreichbar. Das Angebot geht aber weiter, sodass wir schon zusammen Kajak fahren waren, Paintballing, Kart fahren, Wasser-Ski oder Langlauf-Ski fahren oder in der Oper waren und Trips nach Tallinn und Vilnius gemacht haben. Man findet immer was Neues. Außerdem gefällt mir, dass alle Leute (jeder wohnt im Zentrum!) in einem Umkreis von 15 Minuten höchstens wohnen! Das macht spontane Besuche einfacher und lässt Riga wie ein zu Hause anfühlen! Generell empfehle ich unbedingt im Zentrum zu wohnen und die Studentenwohnheime zu vermeiden! Ich wünsche dir viel Glück beim Bewerbungsprozess und hoffe meine Erfahrungen helfen dir!

 

Liebe Grüße,

 

Charlotte